Architektur, Ausstellungen

„Stories” im Haus der Kunst, München

Haus der Kunst Stories

Erst seit Anfang der 90er Jahre gehen Künstler wieder verstärkt der Frage nach, welche Möglichkeiten der Einsatz von narrativen Elementen eröffnet. Damit ist nicht gemeint, dass der Betrachter abgeschlossenen Geschichten gegenübersteht, die sich durch einen klaren Anfang, einen Spannungsbogen und ein Ende auszeichnen. Vielmehr verwenden Künstler narrative Strukturen als eine Form der Kommunikation mit dem Rezipienten. Der Betrachter muss zeitliche und kausale Ordnungen häufig selbst herstellen, muss die Geschichten selbst montieren und findet sich so in der Rolle des „Autors” wieder.

Erst Renaissance-Künstler wie Leone Battista Alberti und Leonardo da Vinci erklärten es zu ihrem höchsten Ziel, die Realität so genau wie möglich abzubilden. Sie unterwarfen sich ihren Gesetzen und verzichteten darauf, verschiedene Szenen oder ein und dieselbe Person mehrfach auf einem Bild zu zeigen. Der Malerei war es ihrer Meinung nach nicht bestimmt, mehr als einen Moment darzustellen. Heute gehen die Künstler in ihren Werken erneut völlig frei mit Raum und Zeit um und erlauben es sich, den Betrachter in heterogene Erfahrungsräume einzubinden. So sind die Erzählweisen häufig nicht linear, nicht chronologisch und auch nicht logisch. Jeder Rezipient nimmt eine eigene Variante der Geschichte wahr. Die Grundlage für eine gemeinsame Ikonografie, definiert durch die Bibel und die griechische Mythologie, ist verlorengegangen.
Die Form der Involvierung des Betrachters variiert: Neben der Rolle des Lesers bekommt er die Aufgabe des Gegenübers, des Regisseurs, des Akteurs, des Detektivs, des Autors und des Auslösers zugeschrieben. Für jedes Werk gilt jedoch gleichermaßen: Die Geschichte existiert nicht ohne den Rezipienten.
(S. Rosenthal, Kuratorin der Ausstellung)

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