Architektur, Ausstellungen, Visualisierung

„Kaprow” im Haus der Kunst, München

Ausstellung „Kaprow” im Haus der Kunst

Raumkonstrukt
Der Saal wird entlang seiner Längsachse durch standardisierte Industrieregale räumlich gegliedert. Vier große, hängende Projektionswände, quer zur Richtung der Regale, fangen den Blick der Besucher. Ebenfalls quer verläuft der ausgestellte Paravent von Allan Kaprow.
Entlang der Bestandswände gibt es eine chronologische Dokumentation in Form einer umlaufenden Zeitleiste. Zeitleiste und Regale werden verknüpft durch große Jahreszahlen, die quer durch den Raum eine Zuordnung von Original und Dokument ermöglichen. Am Ende des Raumes können Besucher in zwei Boxen vor einer Kamera selbst Happenings ausführen.

Licht ins Dunkel!

Der Raum ist weitgehend dunkel. Zusätzlich zur Grundbeleuchtung entlang der Wände kann das Licht an den Regalen durch den Besucher selbst ein- und ausgeschaltet werden. An jedem Regal gibt es einen Knopf oder eine Leine, mit der der Betrachter das zum Lesen nötige Licht einschalten muss. Lässt er die Leine wieder los, erlischt das Licht. So bilden sich kleine Lichtinseln im Raum und der Besucher kann in die Gestalt der Ausstellung selbst eingreifen. Alle Eingriffe bleiben aber stets reversibel, sodass kein Wartungsaufwand für Aufräumarbeiten oder Rückbau entsteht.

Ausstellung „Kaprow” im Haus der Kunst, Großer Saal

Ausstellung „Kaprow” im Haus der Kunst, Großer Saal

 

Original und Dokument: Original
Alle Originale von Allan Kaprow werden in den Regalen ausgestellt. Die Regale sind einfache Industrieprodukte (z.B. Dexion), die einfach auf- und abzubauen sind. Nach der Ausstellung können die Regale, durch zusätzliche Böden ergänzt, im Lager weiterverwendet werden. In die Regale eingehängt werden Vitrinen aus flachen Holzkästen mit Acrylglasdeckeln. Über den Ausstellungskästen können in Augenhöhe senkrechte Displays in das Regal gehängt werden, um Übersetzungen oder zusätzliche Informationen zu den Originalen zu präsentieren.
Der obere Teil der Regale wird mit Stoff umspannt. Der Stoff wird mit den Jahreszahlen der im Regal ausgestellten Originale bedruckt. Auch „von-bis” Aufdrucke (z.B. 1954-56) sind möglich. Diese „Laternen” können von innen oder aussen beleuchtet werden und dienen der Orientierung und Zuordnung.

 

Violett sei die Farbe des Originals!
Die Vitrinen sind mit violettem Stoff oder Gummi ausschlagen. Violett sind ebenso die Stoffbahnen der Laternen mit den Jahreszahlen. Überall dort, wo in der Ausstellung Originale von Allan Kaprow auftauchen, wird die Farbe Violett verwendet. Auch Beschriftungen, die zu Originalen gehören, sind violett.

Dokumente entlang der Wände

Dokumente entlang der Wände

Original und Dokument: Dokument
Alle Bilder, Texte und Filme, die nicht von Allan Kaprow selber stammen, werden entlang der Wände in chronologischer Abfolge organisiert. Eine auf die Wand geklebte Zeitleiste mit großen aufgeklebten Jahreszahlen erleichtert den Zugang und erlaubt die Verknüpfung von Original und Dokument.
Die Texte und Bilder werden als schlichte Kopien direkt auf die Wand geklebt oder gepinnt. Größere Bilder werden auf Holztafeln aufgezogen, um Beschädigungen zu vermeiden. Auch Videos könnten hier gezeigt werden. Dabei sollten aber nur kleine Flachbildschirme zum Einsatz kommen, damit die Filme nicht zu stark in Konkurrenz zu den Filmen auf den Leinwänden treten.

 

Schwarz sei die Farbe des Dokumentes!
Alles, was nicht von Allan Kaprow selber stammt, ist schwarz/weiss. Dies gilt sowohl für die Dokumente, die seine Arbeiten beschreiben, als auch für Hand-outs und andere interaktive Elemente, bei denen Besucher oder andere Künstler Werke von Kaprow nachvollziehen sollen. Und auch für Bauteile, die im Zusammenhang mit Besucherinteraktion stehen, wie die Do-it-yourself-Boxen am Raumende und – wenn möglich – auch für alle gezeigten Videos. Die Leinwände hängen als semitransparente Stoffbahnen von der Decke. Wenn möglich, sollten die Leinwände nicht auf Rahmen gezogen werden, sondern sich in der von den Besuchern ausgelösten Luftbewegung leicht wiegen können. Durch die Anordnung der Regale werden vor den Leinwänden Räume gebildet, die den Besucher zum Verweilen einladen.

 

Just do it
In die rückwärtigen Türportale am Raumende werden zwei begehbare Boxen eingepasst. Hier kann der Besucher vor einer Kamera selbst Kaprow Happenings nachgestalten. Die Boxen werden jeweils über die seitlichen Wände erschlossen. Aussen an den Boxen zeigt ein Flachbildschirm das Happening im Inneren.
Die Boxen sind aus Gipskartonständerwänden zusammengesetzt und entsprechend der C.I. der Ausstellung aussen schwarz gestrichen. Innen sind die Boxen bis auf eine Wand weiss.
Der kleine Raum im Inneren wird über eine offene Schleuse betreten. In dem für die Happenings vorgesehenen Raum gibt es einen Stuhl, einen Spiegel, eine webfähige Kamera links neben oder über dem Spiegel und eine schwarze Pinnwand mit den kopierten DIN A4 Anweisungen Kaprows. Zur Beleuchtung hängen zwei Glühbirnen von der Decke. Der Besucher betritt den Raum durch die Schleuse und ist somit im Inneren vor den direkten Blicken der anderen Besucher geschützt. An der dem Eingang gegenüberliegenden Wand ist eine kurze Beschreibung aufgeklebt, was er hier unternehmen kann und soll. Der Besucher nimmt auf dem Stuhl Platz. An der Wand neben sich findet er mögliche Anweisungen und führt eine oder mehrere davon aus. Dabei kann er seine Bewegungen und Aktionen im Spiegel beobachten und überprüfen. Besucher ausserhalb der Box können das Happening auf dem Flachbildschirm an der Aussenseite der Box verfolgen. Alle Happenings werden aufgezeichnet und können später für den Webauftritt genutzt werden.

 

Happening Kabine

Happening Kabine